Bin ich ein guter Vater

Die gute feierSun hat in ihrem Blog einen schönen Artikel dazu geschrieben, dass sie sich manchmal als schlechte Mom fühlt, weil es Tage gibt, an denen alles schief läuft, sie schlecht gelaunt ist. Reichlich verkürzt ausgedrückt.

Wie einige wissen, lebe ich mit Kindern zusammen, die mir erklären können, was schlechte Eltern sind. Und da geht es um ganz andere Dinge.

Liebe feierSun, sag mal, wo soll Dein Kind lernen, dass Menschen auch mal schlechte Laune haben können? Dass man sich auch mal streiten darf? Dass im Leben auch manchmal etwas schief geht?

Und das alles, ohne dass das Gefühl zwischen Euch in Frage gestellt wird. Ohne dass die Beziehung zerstört ist!

Das kann ein Kind nur im gesicherten Rahmen der Familie erlernen. Im Gegenteil sind es die Eltern, die endlose Geduld zeigen die, die ich als anstrengend empfinde, die – weil sie glauben es würde ihren Kindern schaden – ihre Gefühlsregungen ständig unter Kontrolle haben. Ihre Kinder werden auf schlecht gelaunte Menschen treffen und dann keinen Weg haben, mit den entstehenden Gefühlen um zu gehen.

Bin ich trotzdem ein schlechter Vater? Klar, einer der schlechtesten. Weil ich manchmal nicht in der Lage bin, vollständig konsequent in meinem Handeln zu sein. Weil es Situationen gibt, wo ich mich vor meine Kinder stellen sollte, es aber nicht schaffe, weil ich Konsequenzen, die sich daraus ergeben nicht zu tragen bereit bin. Weil es mir manchmal passiert, dass ich die Nöte meiner Kinder nicht sehe und erst im Nachhinein verstehe, warum das Kind die eine oder andere Sache nicht schaffen konnte.

Und doch wird später irgendwo stehen, er hat sich ständig bemüht. Im Zeugnis eine schlechte Note, als Eltern wahrscheinlich die beste, die wir kriegen können, denn darauf kommt es an.

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Neuer Trend free-Range-parenting

Und wieder wird ein Erziehungstrend durchs Dorf gejagt. Ohh mein Gott! Wir brauchen keine neuen Erziehungsstile! Was wir brauchen sind klare Strukturen und Eltern, die ihre Rolle als Eltern wahrnehmen! Den Kindern klare Strukturen aufzeigen, in denen sie sich dann frei bewegen können und diese klaren Strukturen nach Fähigkeiten und Fertigkeiten öffnen. Wir müssen unsere  Verantwortung als Eltern übernehmen, um unseren Kindern die Sicherheit zu geben, dass da jemand ist, der weiß wo die Grenzen sind, in denen sie sich bewegen können. Und jeder, der das als Freiheitsentzug versteht, hat  sich noch nie mit Kindern befasst, die vor lauter Freiheit selbst die Kontrolle übernehmen. Aufgaben und Entscheidungen treffen, die sie völlig überfordern, da ihre Eltern unfähig waren, diese Aufgabe verantwortungsvoll zu übernehmen. Das grenzt dann nicht an, das ist Kindeswohlgefährdung. Und vor allem schränkt es nicht die Persönlichkeit der Kinder ein, ihnen klar zu machen, hier ist der Bereich, der in Deiner Entscheidung liegt und hier darfst Du entscheiden. Die Kinder werden es Euch danken, wenn Sie wissen, dass sie sich darauf verlassen können, darauf vertrauen können, dass jemand auf sie aufpasst und weiß was gut ist.

Ja alle Kinder sind schon Persönlichkeiten, mit Eigenarten und Fähigkeiten. Wer aber sagt, nicht das Recht zu haben, diese „zu beschreiben oder zu verändern“ hat auch nur die Hälfte verstanden. Es IST unsere Aufgabe, diese Persönlichkeit zu formen. Meint, die Stärken zu fördern und ihnen helfen die Schwächen zu überwinden. Und jeder der die Entwicklung seiner Kinder wirklich beobachtet, wird sehen, dass sich die Persönlichkeit verändert und zwar ständig. 

Natürlich schließt all das die Eigenarten der Kinder ein. Aber Eigenart heißt nicht immer, dass es so bleiben muss. Jedes Kind ist anders und das ist auch gut so, aber das Glück eines Kindes, das seine Angst überwunden hat, das seine Schwäche verdrängt hat, vertrauensvoll  begleitet, nicht unterdrückt, sondern unterstützt, ist eine Erfahrung, die durch nichts zu ersetzen ist und die Sicherheit gibt, ich kann das und alles andere auch schaffen.

Freiheit muss  vor allem der Entwicklung angemessen sein. Nicht das Kind entscheidet, ob es alleine busfahren kann, sondern ich als Vater oder Mutter, unter objektiver Beobachtung der Fähigkeiten, denn das ist meine Aufgabe. Was nicht meint, die eigene Angst vorzuschieben, um Entwicklung zu verhindern. 

Ich bin mir fast sicher, dass mein Kommentar hier zu heftig ausfällt, aber ich habe als Pflegevater mit Kindern zu tun, die echte Freiheit erlebt haben, Freiheit der schlechtesten Art. Vor lauter Freiheit mussten sie sich um ausreichende Ernährung, angemessene Kleidung und körperliche Unversehrtheit kümmern. Und wenn ihnen eines hilft Kind sein zu dürfen, dann Eltern, die Regeln haben, bei denen sie wissen, die passen auf mich auf, bei denen sie sich auf das konzentrieren dürfen das ihre Aufgabe ist: Sich und ihre Umwelt in einem für sie angemessenen Rahmen erforschen, mit Ängstlichkeit, aber ohne Angst, mit Mut, aber ohne Selbstüberschätzung, mit Eigensinn aber ohne Egoismus. Und das gilt für alle Kinder! 

Endlich wieder Abenteuer

Abenteuer heißt in unserer Familie: Die Kinder erhalten einen Rucksack mit der wichtigsten Verpflegung, angemessene Kleidung und ein Fernglas oder sonstige Ausrüstung und dann geht’s raus in die Natur. Zum Bach am Rande des Grundstücks, in den nahe gelegenen Wald oder in eine der hochgewachsenen Wiesen. dazu muss das Wetter natürlich einigermaßen mitspielen. Jetzt zum Beginn des Frühlings geht’s wieder los.  Und sie finden Igel, die Schlafplätze der Rehe oder beobachten Vögel, bauen Staudämme, machen Picknick oder bauen Hütten. 

Es ist schön, diese Begeisterung zu sehen, wenn sie losstapfen und das Leuchten in ihren Augen zu sehen, wenn sie wiederkommen. 

Natürlich gab es schon Rettungsaktionen: Ch steckt im Bach fest! D. kommt nicht mehr vom Baum runter! Auch Verletzungen gabs  schon zu beklagen: Schürfwunden, Stacheln von irgendeinem Strauch oder Verstauchungen. Aber alles ist nichts im Vergleich zu der Freiheit, die sie erleben dürfen. Da kommt nicht mal annähernd der Computer, der Gameboy oder das Fernsehen mit. Auch wenn diese bei regnerischen Wetter eine große Faszination ausüben.

Wenn doch alle Kinder diese Möglichkeiten hätten.

Haus der offenen Tür

An alle, die Pflegeeltern werden wollen: Besuche durch fremde Personen dürfen Euch nicht stören.

Kalkulieren wir mal kurz hoch:

Übliche Gruppengrössen sind zwei Kinder. Jedes dieser Kinder hat 2 Hilfeplangespräche im Jahr. Zu diesen Terminen und rund um diese Termine kommt es zu Besuchen des Jugendamtes. Je nach Organisation des Jugendamtes zwei Personen (Der Pflegekinderdienst und der zuständige Mitarbeiter für das Kind) . Jedes der Kinder hat – wenn Teile der Sorge an jemand übergeben wurden – einen Vormund, welcher einmal im Monat vorbeischaut. Die Eltern und andere Teile der Ursprungsfamilien haben Besuchskontakte. Und je nach Struktur der Einrichtung erhöhen sich die Besuche des Pflegekinderdienstes oder eines zusätzlichen Beraters auf einmal im Monat. Macht bei zwei Kindern ca 60 -70 Besuche fremder Menschen im Haus. Also knapp einer pro Woche. Aber auch das stimmt natürlich nur halb. Denn wie immer kommt  alles auf einmal und dafür ein -zwei Wochen nichts. 

Wenn man mit all diesen Menschen gut klarkommt ist das kein Problem. Das gilt vor allem für erfahrene „Besucher“. Ich persönlich habe noch nie jemanden mit großer Erfahrung im Bereich Pflegekinder erlebt, der nicht in der Lage war, sich auf diese besondere Situation einzustellen. Der nicht in der Lage war mit einem Blick zu erkennen, heute ist es nicht so ein toller Tag, die Kinder nicht gut drauf, die Familie gestresst, da halte ich mich zurück. 

Dann, wenn dies klappt, können diese Besuche bereichernd sein, denn dann arbeiten viele Menschen gemeinsam an dem Ziel, dass es den Kids gut geht. Leider habe ich nicht immer diese Erfahrung gemacht. 

Auf jeden Fall sollte man sich auf diese Besuche einrichten, denn sie sind unumgänglich.

Ich hab da mal recherchiert 

2012 gab es in 882368 Familien Hilfen zur Erziehung. beteiligt waren 1002968 Kinder beteiligt.

Im selben Jahr gab es Deutschlandweit 40227 Inobhutnahmen. Diese sind nicht gleichzusetzen mit einer „Wegnahme“ der Kinder. Bisher habe ich da noch keine Zahl. Es sind weniger als 5%. Immer noch zu hoch, aber es zeigt sich deutlich in welchem Verhältnis Familienhilfe und Heimunterbringung stehen. Quelle: statistisches Bundesamt, weitere Zahlen folgen. 

Der im Beitrag „Mit Kindern Kasse machen“ vermittelte Eindruck: Kinder rausnehmen statt Prävention stimmt in jedem Fall nicht. Denn Beratung, Sozialpädagogische Familienhilfe und weitere Hilfsmaßnahmen sind weit häufiger als Inobhutnahmen. Zusätzlich ist noch lange nicht jede Inobhutnahmen eine Heimunterbringung, sondern die Folge einer angezeigten Kindeswohlgefährdung. Was dann nach 24 Stunden passiert ist nochmal was ganz anderes.

Bei mir entsteht vielmehr inzwischen die Frage: Was passiert in unserer Gesellschaft, dass soviele Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder Unterstützung benötigen. Oder reagieren Jugendämter, Kindergärten und andere Stellen zu schnell wenn es um Kindeswohlgefährdung geht? Aus meiner Filterblase heraus ist die Antwort eindeutig: Nein, besteht die Gefahr einer Gefährdung bitte weiter eingreifen! Bitte! Und die Reaktionen auf einen Misserfolg sprechen ja auch Bände!

Defizite

Nichts ist in meinen Augen schlimmer, als einen ständigen Blick auf die Defizite der Kinder zu richten, aber diesen Blick zu vermeiden geht auch nicht.

die Defizite sind da. Sie müssen betrachtet werden. Aber mit Ruhe und genügend Abstand. Und vor allem immer wieder hinterfragt werden.

Die in allen Bereichen vorkommenden Testungen helfen dabei nicht unbedingt. Was ist ein Defizit, was ist einfach eine Schwäche, die in den Eigenarten des Kindes liegt? Nicht jeder ist ein Mathegenie, nicht jeder ist der Bastler oder mag das Malen.

trotzdem scheint es in unserer aktuellen Kindheit so zu sein, als wäre dem so. Da wird getestet und gefördert was das Zeug hält. 

Ich habe nichts gegen Tests, aber was daraus lesen kann bleibt fraglich. Hat man als Gegenüber jemanden, der Nähe an den Kindern ist, super! Es kann ein hoher Kenntnisgewinn sein, zu erkennen wo Schwächen sind. Es ist klar, dass Ma. Das Seepferdchen nicht schafft, wenn schon die Grobmotorik schwach ist. Aber was heißt das? 

Längst nicht alles vergeht von alleine und oft habe hilft ein Experte. Aber vieles vergeht wirklich. 

Vor einem Jahr hätte ich gesagt unsere größte hat eine Dyskalkulie. jeder Test hätte das besätigt. Aber aus Liebe zu ihrer Lehrerin hat sie sich reingehängt. 

Mathe wird sicherlich nicht ihr Lieblingsfach, aber sie kommt Klärung mir fällt ein Stein vom Herzen.

Hilfe, die niemand braucht

Die Bedürftigkeit meiner Kinder ist von allen Menschen spürbar und nicht selten führt dieses Gefühl zu Problemen, die zu Schwierigkeiten führen. Denn es handelt sich scheinbar um ein Gefühl welches nicht bewusst wahrgenommen wird.

Da reagieren plötzlich Menschen völlig über, versuchen Ärzte, Therapeuten, Lehrer oder Jugendamtsmitarbeiter die Entscheidungshoheit an sich zu reißen oder Therapiepläne in Frage zu stellen.

Dies wäre in vielen Fällen positiv, denn jede zusätzliche Meinung, Sichtweise oder Information ist hilfreich. Den hier geschilderten Fällen ist jedoch eines gemeinsam, dass aus der hilfreichen Aktion eine nicht hilfreiche Aktionitis macht.
Diesen Menschen fehlt häufig der professionelle Abstand. Sie informieren sich nicht, verschaffen sich keinen Überblick über die Situation, sondern fühlen sich verpflichtet sofort und unverzüglich zu handeln, ignorieren jegliche andersartige Meinung und agieren aus einem Beschützerinstinkt heraus. Und um so eigenartiger empfinde ich es, dass es sich oft um Menschen handelt, die durch ihren Beruf mit mehr als einem solchen Fall zu tun haben.

Hier ist es absolut wichtig, sich so schnell wie möglich abzugrenzen. soweit dies möglich ist. Es führt nicht selten zu einem Konflikt und wenn nötig muss man als Verantwortlicher den Kontakt so direkt, wie es irgendwie möglich ist aus dem Wege gehen. Doch nicht immer ist dies ohne rechtlichen Konflikt möglich, so dass wir gezwungen waren, auch das Gericht anzurufen. Schade, denn eigentlich müsste man mit jedem zusammenarbeiten, der helfen will.