Ein ganz persönlicher Jahrerückblick

Das Jahr 2018 war ein Jahr der Ereignisse. Und manchmal muß man in Ruhe zurückblicken, um für sich selbst klar zu bekommen, was man alles geschafft hat. Und Anbetracht der aktuellen Situation, scheint mir das sehr sinnvoll.

Nun, wir sind Mitte des Jahres 2017 nach Dänemark umgezogen. Ein Schritt, den ich bisher nicht im geringsten bereut habe. Denn allein die schulische Situation hat sich so sehr verbessert, dass der Schritt mehr als sinnvoll war.

Begleitet war dieser Schritt aber von vielen Nebenerscheinungen, die sich als mehr als anstrengend herausstellten.

  • Die Trennung von unserem alten Träger scheint diesem massiv schwer gefallen zu sein. So schwer, dass die Beraterin einen Streit vom Zaun brach, um loslassen zu können, obwohl diese Trennung auf eigenen Wunsch des Trägers passierte.
  • 8 Monate haben wir kein Kindergeld erhalten, weil die Kindergeldkasse in Nürnberg, die für uns zuständig war sich als völlig überlastet herausstellte. Erst über das Familienministerium in Bonn konnten wir eine Beschwerdestelle ausfindig machen, die helfen konnte.
  • Aufgrund der verspäteten Meldung unseres Jugendamtes an das Justizministerium in Dänemark, stellte sich die Aufenthaltserlaubnis der Kinder als echtes Problem dar. Das sogenannte Konsultationsverfahren ist nach 1,5 Jahren noch nicht abgeschlossen.
  • Erst im Dezember wurden die letzten beiden Kinder vom Jugendamt unseres ehemaligen Wohnsitzes an die Jugendämter des Wohnsitzes der Eltern übergeben
  • Immer wieder zwischendurch kam es zu verspäteten Zahlungen der uns zustehenden Gelder.
  • Der erste Träger, der uns übernehmen wollte, sagte 5 Tage vor Beginn der Trägerschaft  – trotz Verträgen mit einem Jugendamt – ab.
  • Der zweite Träger stellte sich zwar als pädagogisch mit uns auf einer Wellenlänge schwimmend heraus, leider aber auch als komplett überfordert, in schwierigeren Situationen die Ruhe zu bewahren. (Und wirklich schwierig waren diese Situationen gar nicht.)
  • Unsere uns zustehenden Gelder trafen in den Monaten Oktober bis Dezember in Teilbeträgen, bis teilweise weit nach Monatsmitte ein. Teilweise wurden sie bis heute nicht gezahlt.
  • Krankheiten begleiteten uns. Eine größere OP meiner Frau und Keuchhusten waren hier die Highlights.Zusätzlich gab es natürlich den ganz normalen Wahnsinn. Die Situationen, die man mit traumatisierten Kindern erlebt, die sich in eine ihnen fremde, neue Kultur eingliedern sollen. Und das verlief völlig anders als befürchtet. Die Kids sind super angekommen. Die weite Entfernung von ihrer alten Heimat hat sie sicherer gemacht, ihnen scheinbar zusätzliche Sicherheit gegeben. Und Sicherheit bedeutet, Kraft sich der Vergangenheit zu stellen. Und es kam viel Vergangenheit auf uns zu. Eines unserer Kids begann zu erzählen und zu erzählen und zu erzählen. Und so positiv ich diese Entwicklung finde, so anstrengend ist diese auch. Mit einem Kind die Dämonen der Vergangenheit zu betrachten, dann wenn es dem Kind gerade paßt, ist eine anstrengende und aufreibende, aber auch tolle Erfahrung, denn sie zeigt das Vertrauen, das in den Jahren entstanden ist.
    Aber natürlich macht sie auch Angst – wie reagieren die anderen Kinder. Werden sie getriggert? Was bekommen sie mit?
    Ich bin wirklich erleichtert, denn auch diese Klippe hat sich als anders herausgestellt, als befürchtet. Wie Martin Kühn zu sagen pflegt: Der rosa Elefant ist im Raum. Die Kinder wissen aufgrund ihres gemeinsamen Spieles längst, dass auch dem anderen schreckliches widerfahren ist. Sie kennen die Geschichten des anderen bereits. Aber sie belasten sich auch nicht gegenseitig mit ihren Geschichten, wenn sie einen Weg haben, diese Geschichten loszuwerden.
    Und dieser Weg sind für unsere Kinder wir, unter einander berichten sie nicht von ihren Erlebnissen, sondern von ihren Gefühlen, Ängsten und Befürchtungen. Und diese Ängste begleiteten sie schon immer, nicht erst hier in Dänemark.

    Es war ein anstrengendes Jahr. Und ich befürchte, es wird anstrengend bleiben die nächste Zeit. Aber wie sagt Kind 2 immer: Wir sind Familie! Und wir kriegen alles hin!

 

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