Macht bitte mehr Narzisstisches Podcast-Gelaber

Ich weiß, ich sollte mich um wichtige Dinge kümmern, zum Beispiel eine Folge meines Podcasts zu schneiden und veröffentlichen, aber dieser Text und dass er teilweise Zustimmung in der Hörerschaft erhält, macht mich etwas … fassungslos.

Ich möchte, dass was dieser Text für mich aussagt mal kurz zusammenfassen. Es gibt zu viele Podcasts. Es wird zu viel von Leuten über Dinge geredet, die keine Ahnung haben. Ständig entstehen neue Podcasts, so dass man den Überblick verliert. Es werden zu viele Podcasts produziert über Belanglosigkeiten.

Zuerst einmal, gebe ich der Autorin recht. Es gibt viele Podcasts, deren Meinung mir völlig egal ist. Es werden Podcasts produziert, bei denen ich mich beim Hören über die Dummheit und Respektlosigkeit der Podcaster aufrege. Ja, es wäre für viele Podcasts schön, wenn sie an Konzept, Qualität oder Vorbereitung arbeiten würden. Tatsache! Und doch ist die Kernaussage des Blogartikels so falsch, wie es nur geht.

Das, was wir im Podcastland beobachten können, ist die Demokratisierung des Mediums Audio. Die Entwicklung hier, ist sehr ähnlich der, der Blogs vor vielen Jahren (Oder auch der immer noch anhaltenden Entwicklung dort, nur das sie nicht mehr so viel Aufmerksamkeit bekommt.) Dank Tim Pritlove mit seinem Pritloveprojekt, dem Ultraschall-Team um Ralf Stockmann, Studiolink, dem Sendegarten, dem Podstock, dem Podcastverein und vielen vielen mehr, sehen immer mehr Leute die Möglichkeit, selbst einen Podcast zu produzieren. Und jede Demokratisierung bedeutet mehr Verantwortung. In diesem Fall vor allem auf Seiten der Rezipienten. Und die ist im Bereich Podcast sehr einfach – finde ich. Es gibt in jeder App einen Knopf abonnieren, der auch für das Ende der gemeinsamen Zeit sorgt.

Warum mir das so wichtig ist? Weil nur durch diese immer größer werdende Vielfalt spannende Projekte entstehen. Kein Medium ist plötzlich da und perfekt. Es bedarf Experimente, Versuche und viele viele Fehlversuche, um Neues zu schaffen. Und ich persönlich habe schon viele spannende Projekte gefunden, inhaltlich oder konzeptionell. Und ich möchte gerne alle diese Projekte da draußen haben. Jedes einzelne, auch wenn viele davon für mich uninteressant sind, denn nur aufgrund dieser Vielfalt finde ich immer wieder einen spannenden Begleiter – wenn auch vielleicht nur für eine gewisse Zeit.

Viele Projekte bestehen nur einige Folgen, andere werden größer und größer, aber vor allem, kann jeder der es will etwas zu dieser Bewegung beitragen. Für nicht wenige ist die Möglichkeit etwas zu senden alleine schon eine befreiende Sache. Und das bringt mich auf die Kritik, dass in Podcasts Fragen von Leuten beantwortet werden, die keine ausreichende Qualifikation zur Beantwortung der Frage haben.

Wenn ich all die Blogs und Zeitschriften aufzählen wollte, in denen unqualifiziert Fragen beantwortet werden, hätte ich ein Problem. Genau das ist eben auch ein Teil der Demokratisierung der verschiedenen Medien. Aber, in Podcasts habe ich schon viele Meinungen und Ideen gefunden, die ich von den sogenannten Coaches und Therapeuten nicht erhalte. Tolle Berichte von Betroffenen, die aufgrund der Einfachheit des Sendens nun zu Wort kommen können. Und denen, die sich für ihr Thema interessieren einen Einblick in ihr Leben geben können. Und das auf eine viel intensivere und spannendere Art und Weise, als in jedem geschriebenen Text.

Und zuletzt: Für mich existiert keine Podcastszene. Es gibt Podcaster, die sehr aktiv in dem einen oder anderen Bereich sind, andere senden leise vor sich hin. Aber was  ich in keinem anderen Bereich erlebt habe, ist dass – vielleicht alleine dadurch, dass Audio gesendet wird – jeder mit seiner Meinung einbezogen wird. Wenn jemand eine Idee, ein Problem mit irgendeinem Tool oder einfach nur Kritik an einer Sendung hat, hier wird geholfen. Und wenn es etwas, wie eine Szene gibt, dann ist es dieses auf einander reagieren. Und zwar in einer sehr adäquaten Art und Weise.

Und das gilt für alle, die sich im Bereich Podcasts bewegen. Auch Hörer! Im Gegenteil glaube ich, viele viele Podcaster wären froh, wenn die Konsumenten mehr Rückmeldung geben würden. Ihnen mehr helfen würden, ihre Idee weiter zu verbessern. Also bitte, wenn Kritik an einem Podcast, gehet hin und gebt sie dem, der den Podcast produziert, wenn es eine sinnvolle Kritik ist. Wenn ein Projekt mich nicht interessiert, deabboniere! Und wenn ich will, das bestimmte Podcasts mehr Aufmerksamkeit als andere bekommen, dann sollte ich vielleicht mehr die, die ich spannend finde erwähnen und weiterempfehlen.

Und für alle anderen Projekte: Ihr seid toll, wenn auch nicht alle für mich!

 

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