Pubertät – Schrecken ohne Ende, oder …

Immer wieder liest und hört man, wie schrecklich die Pubertät für Eltern ist. Stimmt sicherlich, wenn es derart viele Ratgeberbücher zu dem Thema gibt. Komisch nur, dass ich es völlig anders wahrnehme und das nicht erst, seit ich mit Pflegekindern zusammenlebe. Schon bei meinem großen Sohn – heute mit 23 kurz vor dem Eintritt in ein endlich selbstbestimmtes Leben – habe ich diese irrsinnigen Probleme nicht entdeckt.

 Ja, da gibt es emotionalen Schübe – ziemlich unvorhersehbar und heftig; kann man sich darauf einstellen, ohne das Gesicht zu verlieren. Und vor allem, wenn ich es geschafft habe, auch meinen Anteil am Streit zu sehen, konnten wir später regelmäßig herzlich darüber lachen.

Ja, gleich heißt in dieser Zeit noch häufiger morgen oder garnicht als sonst, oder ist es die Rache der Kleinen an uns, an die vielen vielen gleich, die wir ihnen gegeben haben und die Ihnen unendlich lang vorkamen?

Ja, das gesprochene Wort verliert so sehr an Bedeutung, dass man manchmal glaubt, die direkte Verbindung zwischen Hirn und Ohr wäre gekappt. Aber hey, wer sagt denn, dass alles beim ersten Mal ankommen muss.

Ja, Diskussionen führen oft in heftige Emotion. In unserer Familie werden emotionsreiche Diskussionen immer zwei geteilt geführt. Teil A -> runterkommen -> Teil B. Wiederholung bis Einigung, wenn nötig und möglich.

Ja, die Ordnung des eigenen Lebensbereiches hat einen anderen Stellenwert als bei den blöden Erwachsenen, aber mit Geduld und Spucke, gestalten Sie diesen dann auch wirklich selbst und wollen nicht, dass Mama Blumen in die Ecke malt.

Ja, laute Musik bekommt eine neue, terrorähnliche Bedeutung, aber haben wir nicht auch Parties in der Nähe der Bassboxen verbracht?

Ja, da kommen plötzliche Wertediskussionen auf – extrem, wortreich und emotional vorgetragen; da habe ich mich selbst viel zu oft wiedererkannt und vor allem hatten wir als Familie vieles zu bereden und zu diskutieren. Und ich habe an diesen Abenden vieles von und über meinen Sohn gelernt.

Ja, da wird man in einem Moment abgestoßen und im nächsten herbeigesehnt; aber hey, das können wir Eltern doch aushalten, oder?

Aber – und das ist für mich das entscheidende, es entsteht in dieser Zeit auch soviel Verständnis, soviel mehr an Reflexion, dass es hilft, gemeinsam über Dinge nach zu denken, anstatt Regeln vor zu geben. Das mehr an Reflexion, das da in kürzester Zeit entsteht lässt mich jedesmal staunend zurück!

Wo ist das kleine Kind hin, das den Schoß eines Elternteiles braucht, um Sicherheit zu brauchen? Wo die Hilfslosigkeit? Woher hat er oder sie plötzlich all diese Vorstellungen davon, wie unsere Welt funktioniert?

Und trotzdem gibt es gerade in dieser Zeit unheimlich intensive Momente des Zusammenseins. Momente, in denen man deutlich spürt, wie wichtig den Kindern der Respekt vor ihrer Meinung und ihren Werten ist und ich möchte sie nicht missen.

Und vor allem gerade in dieser Zeit des Umbruchs und der Neusortierung brauchen unsere Kids starke, reflektierte und empfindsame Eltern, nicht welche, die Angst vor der neuen Lebensperiode haben. Sie werden es Euch danken!

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