Meine lieben Lehrer, hört auf zu jammern

Ich bin aufgrund meiner ehemaligen Berufswahl (ich wollte einmal Lehrer werden) und aufgrund meiner vier Kinder viel in Gesprächen mit Euch. Ich höre regelmäßig aus Eurer Richtung, wie schlimm sich der Schulalltag verändert hat. Immer mehr erzieherische Aufgaben werden von Schule verlangt. Die Kinder werden immer schlimmer. Klagen über Klagen.

Inzwischen gibt es nicht nur vereinzelt Kinder, die bereits im ALter von 12 Jahren regelmäßig von der Schule suspendiert werden. In Zeiten, in denen allerorts von Inklusion geredet wird, werden vermehrt Kinder aus der Unterrichtssituation ausgeschlossen.

Bitte, bitte hört auf zu jammern. Ihr habt Euch für diesen Beruf entschieden. Ein Beruf, der Gestaltungsräume bietet, die viele viele andere Berufe gerne hätten. Ein Beruf, in dem ihr die Freude habt, Euch um unser aller Zukunft zu kümmern. Solltet ihr an dieser Aufgabe verzagen , wechselt den Beruf. Werdet was immer, aber arbeitet nicht mit Kindern, denn diese sind die Letzten, die an der Misere eine Schuld tragen. Was Kinder brauchen sind vor allem Menschen, die sich für sie einsetzen, für sie kämpfen, ihren Stimmen Gehör verschaffen.

Zeitgleich mit all dem Gejammer, haben es Lehrer klaglos mit getragen, dass inzwischen 5 jähríge Kinder eingeschult werden (Zumindest in NRW). Dass die Schulzeit von Gymnasiasten gekürzt wurde. Dass der Schulstoff seit Jahrzehnten immer umfangreicher wird – ich weiß, solche schleichenden Entwicklungen sind schwer zu beobachten, aber mit etwas Abstand wärt ihr in der Lage dies zu sehen. Dass Schulformen aufrecht gehalten werden, obwohl die Kinder, die diese Schulform verlassen, keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. Aber ihr nehmt es klaglos hin, lasst Euch Eure Arbeit von wirtschaftlichen Lobbygruppen negativ beeinflussen und schiebt dann die Schuld für die Entwicklung den Kindern zu.

Es gibt keine kindliche Reaktion aus dem Nichts. Jedes kindliche Verhalten hat eine Ursache und es gibt sicherlich viele Ursachen, die außerhalb Eurer Einflussnahme liegen, aber die, die ihr beeinflussen könnt, wären ja vielleicht schon einmal ein Anfang für das eigene Handeln. Und über die anderen erwarte ich auch aus der Lehrerschaft Diskussionsanstöße. Es ist an der Zeit den öffentlichen Diskurs zu suchen, um Fehlentwicklungen entgegenzuwirken.

Ihr könnt nichts daran ändern, dass beide Elternteile gezwungen sind, zu arbeiten und somit den Kindern Unterstützer daheim fehlen. Oder Familien zerbrechen und dann der alleinerziehende Teil überfordert ist. Oder, oder, oder. Aber an den oben genannten Dingen könntet ihr etwas tun. Es ist Eure Aufgabe, Eure Arbeit zu gestalten.

Statt zu klagen über die Verrohung des Alttags gestaltet doch bitte den Raum, in dem ihr Euch bewegt, für den Ihr Verantwortung tragt.

Und noch etwas: Hört auf Euch als Pädagogen zu bezeichnen. Ich weiß, es ist der Lehrerausbildung geschuldet, dass viele von Euch Fachidioten mit didaktischem Hintergrund sind. Aber ich glaube, dass alleine der Ausschluss von Kindern aus dem Unterricht zeigt, dass ein pädagogisches Wirken in Schule nicht stattfindet.

Geht und bildet Euch weiter, wenn Ihr nicht wisst, wie kindliche Entwicklung funktioniert. Lasst Euch von Menschen, die sich damit auskennen, erklären, wie Ihr Euren Schülern eine Beziehung anbieten könnt. Holt die Kinder in Ihrer Lebenswirklichkeit ab und gestaltet mit Ihnen zusammen einen Raum, in dem es nicht nur Hindernisse gibt, sondern ein Weg um und über diese Hindernisse. Lasst Euch erklären, wie man mit Impulsdurchbrüchen umgeht. Arbeitet zusammen mit Therapeuten, Sozialpädagogen und Eltern daran Schule zu gestalten. Fordert mehr Lehrerstellen, damit nicht der Ausfall eines Kollegen kaum noch abzufangen ist. Aber vor allem verliert nicht die Kinder aus dem Blick und jammert nicht ständig darüber, welche Fähigkeiten, Fertigkeiten und Einstellungen in der Schülerschaft fehlen, sondern überlegt gemeinsam, wie ihr diese herstellen könnt, denn das ist Pädagogik.

Ich weiß, dass es Lehrer gibt, die all dies tun. Die als Einzelkämpfer im System tolle Arbeit machen. Aber ich sehe keine Proteste, höre keinen Aufschrei sondern nur dieses stille Klagen hinter vorgehaltener Hand. Und wenn es etwas gibt, dass nicht hilft, dann ist dies das Jammern hinter vorgehaltener Hand.

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