Erstes Zwischenfazit

Nun haben meine Frau und ich drei Jahre lang die Rollen getauscht.

Und irgendwie habe ich das Gefühl, es ist Zeit für ein Zwischenfazit.

Viele Befürchtungen, die ich zu Beginn hatte, haben sich in Luft aufgelöst:

  • Meine Kinder haben den Rollentausch schneller verarbeitet, als erwartet.
  • Ein Vater kann all das, was eine Mama auch kann.
  • Ja, Hausarbeit ist eintönig, doof und nervig, aber: Der Mann ist ein Gewohnheitstier
  • Man muss nicht Mutter sein, um die Mutterrolle – was immer das auch ist – aus zu füllen

Andere Dinge dagegen haben mich überrascht.

Es sind die älteren Personen (mindestens über 50), die den Rollentausch positiv bewerten. Gerade von älteren Männern bekomme ich Zustimmung oder höre ich Stimmen wie: „Das hätte ich vielleicht auch machen sollen.“ Und sehr oft habe ich Bedauern in der Stimme gehört – kann aber natürlich auch der eigene Wunsch sein, der dies hören wollte.

Die Reaktion der mittleren Altersgruppe war es eher, die mich überrascht hat. Wie oft meine Frau sich dort rechtfertigen musste. Erklären musste, dass sie nicht Haushalt und Kinder und einen faulen Ehemann hat. Ich in eine Rechtfertigungsposition gedrängt wurde, dass Hausarbeit, vier Kinder (darunter 3 Schulkinder) als Beschäftigung ausreichen, zeigt, wie gering gerade diese Altergruppe diese Teile des Lebens schätzt. „Wie? Und Du machst nix?“ – ungläubiger Blick.

Sehr oft gibt und gab es auch Bemerkungen, die – kann wieder meine Einschätzung sein – mich zwar einerseits zum Idioten abstempelten, aber nicht in den Diskurs wollte. „Oh ja, kann man machen.“ – lächelt – geht ab.

Die Idee alleine ist es, die für einige Menschen so abwegig ist, dass sie in die falsche Begrifflichkeit wechseln. Nicht nur einmal wurde ich als Alleinerziehender Vater tituliert.

Der Umgang mit Ärzten, Lehrern, Kindergärtnerinnen und in meinem Fall auch mit dem Jugendamt benötigt eine Menge Selbstbewustsein. Viele dieser Experten meinen, für die Kinder Entscheidungen treffen zu dürfen. Verantwortung zu tragen, ohne jedoch den gesamten Zusammenhang zu sehen. Da auf die Bremse zu treten ist oft anstrengend und aufreibend.

Super interessant ist, dass sich viele Rollenklischees in Luft aufgelöst haben. Ich dachte immer, es wäre genetisch angeboren, dass

  • Frauen nachts wach werden, wenn ein Kind weint
  • Frauen ordentlich und Männer unordentlich sind
  • ….

Vieles davon hat sich als absolut falsch erwiesen. Derjenige der arbeitet, ist nicht derjenige mit der Verantwortung für die Kinder. Und wenn man sich willentlich auf diese Verantwortung einläßt, ändert dies vieles. Die Männergrippe funktioniert nicht, wenn man für die Kinder da sein muss. Dahingegen kann eine Frau diese Männergrippe genauso ereilen. Die Erkältung, die sich aufgrund von Überlastung im Berufsleben in den Vordergrund schiebt ist die eigentliche Männergrippe.

Natürlich sind Frauen und Männer nicht gleich. Männer putzen vollkommen anders ;-). Fensterputzen ohne Dampfreiniger, geht gar nicht. Saugen mit dem 40 Euro Billigsauger, nee nee, da wird lange gesucht und der perfekte Helfer gefunden. Die Anzahl der Spezialreiniger in unserer Schublade hat sich vervierfacht. Liegt vielleicht an mir, aber ich glaube diese Technikbegeisterung wird halt auch dort ausgelebt.

Aber, das eigentliche Ergebnis ist dasselbe. Die Bude ist sauber (Naja, manchmal zumindest 😉 ).

Aber das eigentliche Erlebnis, das ich gesucht hatte, als ich mich auf den Tausch eingelassen habe, habe ich auch gefunden. Und ich kann nur alle Männer dazu auffordern sich darauf ein zu lassen. Die Kinder einen ganzen Tag um sich zu haben, ist nicht vergleichbar mit den Abenden und Wochenenden, die ich vorher zur Verfügung hatte.

Zum Beispiel: Ein Mädchen durch die Pubertät zu begleiten, hilft auf so vielen Ebenen, Frauen und ihre Eigenarten zu verstehen. Mit zu bekommen, wie sehr sich die junge Dame mit dem Wachstum ihrer Brüste beschäftigt oder zu sehen, wie sie mit der Aufmerksamkeit kämpft ist beeindruckend.

Das Gefühlsspektrum, das die Kinder zeigen, ihre Entwicklung hautnah mit zu erleben ist und das nicht nur für ein zwei Wochen ist spektakulär. Denn es braucht schon einige Zeit, damit die Kids es auch zulassen, diese Rolle ein zu nehmen. Der Papi kann immer der Tröster sein, aber als DER TRÖSTER, muss er auch da sein, wenn benötigt. Und sich da sicher zu sein, geht nicht in ein bis zwei Wochen, sondern dauert länger. Denn DER TRÖSTER ist derjenige, der auch da ist, wenn Finja heute blöd war, wenn das Basteln nicht geklappt hat, oder der Gang zur Toilette zu spät war. Diese Kleinigkeiten täglich zu begleiten, erhöht die Nähe zu den Kindern um so viel.

Und auch für meine Kids war es spannend. Jedes Kind hat eine Präferenz. Ist mehr Papa- oder Mama-Kind. Aber auch das Mama-Kind kommt mit Papa klar, wenn er der einzige Ansprechpartner ist. Und auch das Papa-Kind vermisst Mama, wenn sie nicht da ist.

Kurz: Es hat unheimlich Spass gemacht. Und es bleibt spannend.

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