Und schon ist es passiert!

Gewarnt wurde ich schon oft. Und der ein oder andere hat es mir auch schon berichtet, aber trotzdem haut es einen um.

Um was geht es? Ich habe in den letzten Wochen gespürt, dass ich extrem schlecht schlafe, dass ich mich traurig fühle und das viel in meinem Kopf los ist. Alpträume ließen mich nachts hochschrecken. So richtig verstehen konnte ich das Ganze nicht. Viel mehr war es ein undeutliches nicht besonders spezifisches Gefühl.

Und dann fahre ich meine Kinder zur Schule und begegne einem Krankenwagen mit Blaulicht. Und plötzlich merke ich, dass mein Atem flacher geht, ich mich extrem unwohl fühle und ein wenig Angst meinen Nacken hoch kriecht. Besser gesagt, ich habe erst die Gefühle wahrgenommen, dann den Krankenwagen gesehen und viel später alles miteinander verbunden.

Und ehrlich gesagt, es ist zwar äußerst unangenehm, diese Angst zu spüren, aber ich habe in den letzten drei Wochen eine Menge gelernt. Und ich gedenke noch ein wenig mehr zu lernen.

Nun konkret, um was handelt es sich? Ich denke, es ist ein altes Trauma, dass sich nach nun 34 Jahren einen Weg zurück an die Oberfläche meiner Wahrnehmung gesucht hat. Warum? Ich glaube, dafür gibt es viele Erklärungen. Ich habe mich extrem viel mit Trauma befasst, bin von traumatisierten Menschen umgeben und vielleicht war es auch einfach nur an der Zeit, sich mit diesem Trauma zu befassen.

Was habe ich gelernt?

  • Dieses plötzliche Angstgefühl, völlig unsteuerbar,unvorhersehbar und indifferent macht extrem viel mit einem Menschen. Alleine schon die erkannte Kombination mit einer realen Begebenheit hat eine Menge Beruhigung ausgelöst.
  • Andere Menschen sprechen einem gerne die Erkenntnis, die man gewinnt ab. „Das ist halt so, man bekommt ein unsicheres Gefühl wenn man einen Krankenwagen hört, weil man sich Gedanken um seine Familie macht,“ wurde mit verkündet, ohne nach zu fragen, wie es sich anfühlt, was wirklich los ist.
  • Man – oder zumindest ich – beschäftigt sich sehr lange mit diesem Gefühl, bevor man anderen Menschen davon erzählt.
  • Es gab und wahrscheinlich wird es auch in naher Zukunft Momente geben, in denen nichts anderes wirklich wichtig ist, als dieses „Problem“, welches man eh nicht ändern kann. Die Gedanken kreisen oder besser gesagt, die Gefühle kreisen um diesen einen Punkt. Und man ist wirklich machtlos, kann es nur schwer bewußt abstellen.
  • Andere Menschen nimmt man plötzlich – von jetzt auf gleich – anders wahr. Das eigene Gefühl sieht man – immer noch besser ich – in anderen Personen und möchte alles tun, um ihnen dieses Gefühl zu ersparen.

Und das alles war für mich noch relativ einfach. Denn ich weiß was all diese Dinge bedeuten. Ich konnte mit den Bilderblitzen, die plötzlich vor meinem inneren Auge auftauchten etwas anfangen, konnte sie mir rational erklären, auch wenn sie immer noch erschreckend sind. Ich konnte die Gefühle rational einordnen und hatte sehr schnell eine mögliche Erklärung zur Hand. Um wievieles schlimmer muss das gleiche Ereignis für einen Menschen sein, der nichts über Traumata weiß? Hätte ich meiner Frau davon erzählt? Hätte ich – was ich für einen wichtigen Schritt halte – mich an einen Therapeuten gewannt, um einfach nur die richtigen Schritte zu besprechen? Was kann ich tun, was sollte ich tun?

Ich glaube, all dies hätte ich nicht getan. Und das hätte all diese Dinge nicht nur viel langsamer passieren lassen, sondern läßt mich verstehen, warum traumatisierte Menschen schnell das Gefühl haben, verrückt zu sein.

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