Und wieder geht Geld vor Sinnhaftigkeit

Gerade wird über viele Medien die Suche des Berliner Jugendamtes nach Pflegeeltern für unbegleitete Flüchtlinge ein. Viele Tausend Pflegeeltern werden gesucht.

Und kommentiert wird das ganze von vielen Menschen mit: Wer Gutes tun will, soll sich melden!

Ja, da tut man sicher etwas Gutes! Aber ob dieser Weg vom Jugendamt gewählt wird unter der Berücksichtigung der Kinderrechte der Flüchtlingskinder möchte ich stark anzweifeln. Es geht hier ausschließlich um wirtschaftliche Interessen. Sinnvoll erscheint mir – aus der Ferne betrachtet dieser Schritt nicht.

Kurz zum Hintergrund:

  • Aktuell klagen die Jugendämter allerorts darüber, dass sie kaum Pflegeeltern finden.
  • Allerorts werden die zu hohen Abbruchraten diskutiert. Und gerade die vorschnelle und schlecht vorbereitete Unterbringung gilt als einer der RisikoFaktoren
  • Eine der zur Zeit gängigen Methoden zur Klärung der Situation der Kinder sind sogenannte Diagnosegruppen und Clearingstellen in denen in aller Ruhe festgestellt werden kann, was die Kinder brauchen.
  • Die aktuellen Wartezeiten für einen Platz bei einem Kinder- und Jugendpsychologen betragen ca 1/2 Jahr.

Weg von den Fakten, hin zur Meinung:

  • Ich denke von einer schweren Traumatisierung der Kinder ist auszugehen.
  • Aus eigener Erfahrung ist das Letzte, dass diese Kinder brauchen eine nahe familiäre Bindung.
  • Der Umgang mit Trauma setzt eine hohe Professionalität voraus.
  • Das Beste für eine gelungene Unterbringung von Kindern ist Information über das Kind, seinen familiären und seinen kulturellen Hintergrund, sowie und seiner Biografie .
  • Die Kosten für einen Platz in einer Clearingstellen sind um ein Vielfaches höher, als die Unterbringung bei einer Pflegefamilie (ca. Faktor 5).
  • Die Herkunftsfamilie wird in vielen Fällen noch existieren. Loyalitätskonflikte sind billigend in Kauf genommen.

Bitte liebe Jugendämter, findet alternative  Wege.

  • Ändert die Vorgaben in Euren Clearingstellen, kurzfristig können sicher aucheinmal mehr als ein Kind pro Zimmer aufgenommen werden.
  • Erhöht die Kapazitäten bestehender Einrichtungen durch mehr Personal
  • Gründet zusätzliche Einrichtungen
  • Nutzt die Freiwilligen zur Mithilfe in diesen Einrichtungen. Vielleicht wird ja daraus ein gelungener Hilfeprozess.
  • Nutzt nicht die Hilfebedürftugkeit der Kinder aus.
  • Nutzt nicht die Hilfebereitschaft sorgender Mitbürger aus, um Kosten zu sparen.

Nur wenn wir mit durchdachten Konzepten an dieses Problem gehen,  lässt sich die Situation für alle Beteiligten sauber und gewinnbringend lösen.

Sehr passend ist, dass die Fördergelder für Akinda plötzlich wieder aktiviert werden können. Es passt ins Bild, dass eine bestehende soziale Hilfeeinrichtung erst kaputtgespart wird, um sie jetzt wieder zu reaktivieren. Dass Vormünder verstärkt gebraucht werden wusste das Jugendamt ja nicht vorher. (Die Flüchtlingssituation ist in diesen Bereichen nicht erst bekannt, seit sie in den Medien relevant ist.) Die wirtschaftliche Situation ist und bleibt der treibende Faktor, ganz unabhängig davon, wie die zukünftigen Kosten sind.

Mal am Beispiel der Flüchtlingskinder. Statt sinnvoll die Situation der Kinder zu überprüfen, werden Sie Pflegeeltern zugewiesen, mit dem Hinweis, man müsse konfliktfähig sein. 

Ohne nähere Information würde ich von einer Abbruchquote von über 50% in den nächsten 4 Jahren ausgehen.

Folge: Dann gehen nur noch einzelpädagogische Maßnahmen, welche wesentlich teurer werden. Abgesehen davon, dass Kinder mindestens zwei massive Beziehungsabbrüche erleben. Die Folgen für das weitere Leben dieser Kinder mag ich mir nicht ausmalen.

Mit anderen Worten, die Kosten werden dann und in den Folgejahren explodieren, aber wir hatten im Jahr 2015 eine schnelle, kostengünstige Lösung.

Und ich weiß jetzt schon, was die verzweifelten Pflegeeltern hören werden, wenn sie mitteilen, dass sie zusätzliche Unterstützung benötigen, weil es so nicht funktioniert. Dann fragen Sie doch einmal bei der Krankenkasse nach. Das ist eine kann-Leistung, welche wir leider nicht durch unsere Wirtschaftliche kriegen.

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