Nicht arme Kinder -tolle Kinder

Wieder einmal ist mir bewusst geworden, wie toll meine Kinder sind, was sie alles erreicht haben und wie sehr verworren der Weg ist, den sie zu gehen haben. 

Aber wichtig dabei ist, zu erkennen dass es ganz normale Kinder sind. Das was die Kinder am wenigsten benötigen ist Mitleid. Verständnis dagegen benötigen Sie immer.

Keinem meiner Kinder wäre geholfen damit, sie in einen Wattetopf zu stecken, der sie vor allem Unbill der Umwelt schützen würde. Obwohl der erste Impuls sicher bei vielen Menschen so ist. 

„Ja, ich verstehe, dass Du so reagierst.“ Heißt nicht: „So wie Du reagierst ist OK!“ Im Gegenteil! Selbst der größte „Einpinkler“ oder „Prügelknabe“ weiß, dass das was er tut, falsch ist. Ihn jetzt zu bestärken wäre nicht nur dumm, sondern kontraproduktiv. Richtig ist eher: „Ich verstehe, dass Du so reagierst! Es ist nicht OK so! Das weißt Du auch! Wie ändern wir das?“

Und dieses „wie ändern wie das“ ist das entscheidende. Manchmal kann man es aussprechen, manchmal ist es nur impliziert. Manchmal besteht es aus einem wie änderst Du es, manchmal ist es mehr ein, was ändere ich. Immer ist es aber das Bewusstsein: Du änderst und ich bin nur der Steigbügelhalter, der den Weg frei macht für diese Änderung.

Und dann mit viel Zeit und Ausdauer schaffen sie es! Wirklich! Und da beginne ich zu staunen. Zu sehen, dass ein Kind es schafft, seine Todesangst zu überwinden, sich die Hilfe holt, die es braucht und die Themen angeht, die es braucht, ist absolut beeindruckend! Und genauso beeindruckend ist es, zu sehen, welche weitreichenden Veränderungen diese kleinen Schritte haben. Nicht nur der enge Kontext ändert sich, sondern das gesamte Leben der Kinder. Habe ich nachts keine Angst mehr vor unliebsamen Überraschungen kann ich nicht nur den Weg zum Klo schaffen, nein:

  • Ich schlafe besser und bin daher ausgeruhter
  • Ich schaffe es morgens meine Umwelt zu erkunden und gewinne Zeit und Raum
  • Ich habe eine Angst überwunden und kann es mit der nächsten aufnehmen. in der Gewissheit ein Hindernis überwunden zu haben

Und nocheinmal, diese Angst haben nicht wir verändert. Wir haben den Weg dazu geebnet. Mit Licht in Zimmer und Flur. Mit nächtlichem Wecken, um dem Stress aus dem Weg zu gehen, aus Angst einpinkeln  zu müssen. Mit Mut machen, mit dem Tauschen von Zimmern.

Ich weiß nie, welcher der vielen Schritte erfolgreich war, aber mit Geduld und Spucke hat das Kind es geschafft. Und der ganze Stolz ist voll und ganz berechtigt. Mein Stolz, aber auch der des Kindes.

Es ist immer wieder schön, dieser Augenblick, wenn man einem Kind klarmachen kann: Das hast Du geschafft!

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