niemals nie

Es gibt einen Satz, den ich meinen Kids niemals sage:

Wenn Du nicht … dann kannst Du hier nicht bleiben.

Geht nicht, geht nicht nur gar nicht, sondern  geht ganz und gar nicht.

Und obwohl ich es völlig unverständlich finde, scheint er gerade im Bereich der Fremdunterbringung von Kindern nicht selten vorzukommen. Und ich finde es nicht ungewöhnlich, dass dadurch Systeme scheitern. Egal, wie schwierig die Situation ist, man muss nur seinen Kopf anschalten, um zu erkennen, warum das nicht geht. 

Egal welches Kind es ist, es hat mindestens eine gescheiterte Erziehungssituation hinter sich. Da ist die Androhung eines Abbruchs so extrem retraumatisierend, dass ich es nicht  verstehen kann, dass so ein Satz über die Lippen eines Menschen kommen kann, der mit Kindern umgeht. Niemand würde auf die Idee kommen, einem dieser Kinder Prügel anzudrohen oder eine sonstige Form des Drucks aufzubauen. Da jedem sofort klar wäre, damit erreiche ich nichts. Aber einem Kind damit zu drohen, dass dieser Versuch Bindung aufzunehmen gescheitert ist oder droht zu scheitern, kann meiner Meinung nach mit nichts begründet werden.
Das hat nichts mit Ehrlichkeit zu tun, nichts mit dem Versuch Klarheit zu produzieren oder was ich sonst schon als Rechtfertigung gehört habe. Das zeigt einfach, dass die Menschen sich nicht vorstellen können, was dieser Satz bedeutet.

Häufig fällt so ein Satz in einen Zusammenhang, indem die Kinder gerade anfangen soviel Vertrauen zu fassen, dass sie rebellieren. Und in diesen Test, wie tragfähig ist denn das Angebot, dass die mir geben, fällt dann dieser Satz. Der Rest ist verbrannte Erde. 

Professionalität ist was anderes. Auch wenn das Scheitern von Erziehungsmassnahmen leider auch zum Alltag gehört, auch das späte Scheitern. Ich weiß nicht, welche Entwicklung meine Kids in der Pubertät nehmen. Es kann passieren, dass dann die Konstellation der Kinder nicht passt, dass ich den Bedürfnissen und der Bedürftigkeit eines einzelnen Kindes nicht gewachsen bin. Und wenn ich dann, nachdem wir den Entschluss gefasst haben und wir eine neue Lösung gefunden haben, dem Kind tatsächlich mitteilen muss, dass der gemeinsame Weg endet, würde ich niemals sagen: Du musst jetzt gehen, weil Du gescheitert bist.

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