Neuer Trend free-Range-parenting

Und wieder wird ein Erziehungstrend durchs Dorf gejagt. Ohh mein Gott! Wir brauchen keine neuen Erziehungsstile! Was wir brauchen sind klare Strukturen und Eltern, die ihre Rolle als Eltern wahrnehmen! Den Kindern klare Strukturen aufzeigen, in denen sie sich dann frei bewegen können und diese klaren Strukturen nach Fähigkeiten und Fertigkeiten öffnen. Wir müssen unsere  Verantwortung als Eltern übernehmen, um unseren Kindern die Sicherheit zu geben, dass da jemand ist, der weiß wo die Grenzen sind, in denen sie sich bewegen können. Und jeder, der das als Freiheitsentzug versteht, hat  sich noch nie mit Kindern befasst, die vor lauter Freiheit selbst die Kontrolle übernehmen. Aufgaben und Entscheidungen treffen, die sie völlig überfordern, da ihre Eltern unfähig waren, diese Aufgabe verantwortungsvoll zu übernehmen. Das grenzt dann nicht an, das ist Kindeswohlgefährdung. Und vor allem schränkt es nicht die Persönlichkeit der Kinder ein, ihnen klar zu machen, hier ist der Bereich, der in Deiner Entscheidung liegt und hier darfst Du entscheiden. Die Kinder werden es Euch danken, wenn Sie wissen, dass sie sich darauf verlassen können, darauf vertrauen können, dass jemand auf sie aufpasst und weiß was gut ist.

Ja alle Kinder sind schon Persönlichkeiten, mit Eigenarten und Fähigkeiten. Wer aber sagt, nicht das Recht zu haben, diese „zu beschreiben oder zu verändern“ hat auch nur die Hälfte verstanden. Es IST unsere Aufgabe, diese Persönlichkeit zu formen. Meint, die Stärken zu fördern und ihnen helfen die Schwächen zu überwinden. Und jeder der die Entwicklung seiner Kinder wirklich beobachtet, wird sehen, dass sich die Persönlichkeit verändert und zwar ständig. 

Natürlich schließt all das die Eigenarten der Kinder ein. Aber Eigenart heißt nicht immer, dass es so bleiben muss. Jedes Kind ist anders und das ist auch gut so, aber das Glück eines Kindes, das seine Angst überwunden hat, das seine Schwäche verdrängt hat, vertrauensvoll  begleitet, nicht unterdrückt, sondern unterstützt, ist eine Erfahrung, die durch nichts zu ersetzen ist und die Sicherheit gibt, ich kann das und alles andere auch schaffen.

Freiheit muss  vor allem der Entwicklung angemessen sein. Nicht das Kind entscheidet, ob es alleine busfahren kann, sondern ich als Vater oder Mutter, unter objektiver Beobachtung der Fähigkeiten, denn das ist meine Aufgabe. Was nicht meint, die eigene Angst vorzuschieben, um Entwicklung zu verhindern. 

Ich bin mir fast sicher, dass mein Kommentar hier zu heftig ausfällt, aber ich habe als Pflegevater mit Kindern zu tun, die echte Freiheit erlebt haben, Freiheit der schlechtesten Art. Vor lauter Freiheit mussten sie sich um ausreichende Ernährung, angemessene Kleidung und körperliche Unversehrtheit kümmern. Und wenn ihnen eines hilft Kind sein zu dürfen, dann Eltern, die Regeln haben, bei denen sie wissen, die passen auf mich auf, bei denen sie sich auf das konzentrieren dürfen das ihre Aufgabe ist: Sich und ihre Umwelt in einem für sie angemessenen Rahmen erforschen, mit Ängstlichkeit, aber ohne Angst, mit Mut, aber ohne Selbstüberschätzung, mit Eigensinn aber ohne Egoismus. Und das gilt für alle Kinder! 

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2 Gedanken zu “Neuer Trend free-Range-parenting

  1. Das bezieht sich ja ganz offensichtlich auf meinen Artikel über meine ganz persönliche Ansicht über den Umgang mit meinen Kindern – und der wurde wohl nicht sorgfältig gelesen.

    1. Es wird eben KEIN „Erziehungstrend“ durchs Dorf gejagt. Ich habe mich lediglich an einem existierenden Begriff orientiert, um meine ganz persönliche Sicht zu umreißen. Wer mein Blog kennt und schon länger mitliest weiß, dass ich niemals meine persönliche Erfahrung als Standard forumuliere oder anderen etwas darüber sage, was richtig oder falsch ist oder wie sie ihre Kinder erziehen sollen.

    2. Ich schreibe nirgendwo etwas davon, dass Kinder keine Begrenzung im Sinne von Orientierung brauchen, im Gegenteil. Ich schreibe ausdrücklich, dass ich meine Kinder bewusst und aufmerksam begleite bei allem, was sie tun. Das heißt aber nicht, dass ich ständig über ihnen dräue.

    3. Ja, Kinder brauchen Hilfe, um Ängste und Herausforderungen zu überwinden. Aber ein wichtiger Teil dabei ist neben der elterlichen Unterstützung das Vertrauen, dass die Kinder das auch können. Wenn ich als Mutter/Vater nicht glaube, dass mein Kind das schafft, wird es das selbst auch viel schwerer glauben können.

    Und zu guter Letzt: ich glaube nicht, dass sich die Erziehungssituation als Pflegevater von Kindern, die schon einiges durchgemacht haben als Standard in Erziehungsdingen formulieren lässt. Die Bedürfnisse sind da mit Sicherheit andere, auch die Störanfälligkeit halte ich für höher.

    Den Begriff „Freiheit“ im Zusammenleben mit Kindern wegen Ihrer persönlichen Erfahrung grundsätzlich zu dämonisieren halte ich für falsch.

    • Wie ich sch schrieb, ich bin fast sicher mein Kommentar ist zu heftig, aber free-Range-Parenting ist mir bei Dir nicht zum ersten Mal begegnet. Sollte es so erscheinen, dass meine Kritik als Kritik an Deinem Leben gedacht ist, oder ich der Meinung wäre, Du erziehst Deine Kinder falsch, um Gottes Willen, das war nicht meine Absicht. Aber wie Du sagst, Du hast eben nichts von Grenzen geschrieben. Und in diesem Beitrag die Freiheit als zentralen Punkt der Erziehung dargestellt und es ist ja auch überspitzt der Kern des free-Range-parentings. Ich will dem entgegnen, das ist nicht alles und wäre in seiner Reinform eher schädlich. Genau das Grenzen definieren und dem Kind seine Freiheiten „zu weisen“ ist für mich ein großer Teil der Erziehung und ein wichtiger Teil der Verantwortung von Eltern. Zu guter letzt, auch Pflegekinder sind normale Kinder, die Erziehungssituation ist im wesentlichen dieselbe. Es gibt Besonderheiten bei jedem einzelnen Kind aber sonst unterscheidet sich die Erziehunssituation durch nichts.
      Und jetzt zu aller Letzt, diesen Schuh muss ich mir absolut anziehen, ich habe Deinen Blog nicht gelesen, sondern auf den einzelnen Blogeintrag reagiert. Das werde ich aber sobald möglich nachholen.

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