Vertrauen kann nie total sein

Allein aus ihrem vorherigen Leben können Pflegekinder nie soviel Vertrauen aufbringen, wie ihre Altersgenossen.

Und bei jedem unserer Kinder äußert es sich unterschiedlich.

Das eine Kind merkt sich alle Wege, die wir mit dem Auto zurücklegen. Das andere braucht abends eine genaue Beschreibung der Lebensmittel, die es am nächsten Tag mit in die Schule nimmt. Das dritte kennt die Namen aller Kinder und Erwachsenen um es herum in kürzester Zeit. Oder es wird regelmäßig überprüft, ob genug Essen im Kühlschrank ist, oder… Oder … oder.

Wenn man bedenkt, wieviel Energie diese kleinen Wichte für all diese Zweifel aufbringen müssen, wundert es nicht, wenn dabei was anderes auf der Strecke bleibt.

Ich glaube Vertrauen hat mindestens zwei Ebenen. Die bewusste Ebene ist einfach zu erreichen. Kognitiv ist es den Wichten schnell – nach einigen Erfahrungen – klar, dass alles klar geht, dass die neuen Eltern sich wirklich bemühen. Die unbewusste Ebene ist schwerer bis nie erreichbar.

Auch nach Jahren ist das zu späte Abholen nicht entschuldbar, merkt ein Kind wenn man gerade auf den Händen sitzen muss, weil die Aggression, die es erzeugt nur schwer zu ertragen ist. Natürlich haben Sie das Kind noch nie geschlagen, aber es kennt viele viele Beispiele, in denen dies anders verlaufen ist.

Wenn ich dann doch einmal fünf Minuten zu spät kommt, sagen meine Kinder gerne: “ Ich wusste, dass Du kommst!“ Für mich klingt es immer wie eine Anklage, denn ich weiß genau, dass es sich dies in diesen fünf Minuten mindestens 200 mal vorgesagt hat, um die Angst zu bekämpfen, die da war.

Werbeanzeigen