DLF: Ist Blut dicker als Wasser?

Tolle Reportage im DLF gehört. Sehr einfühlsam werden dort 5 Fälle beleuchtet, indenen von allen Seiten mit Kindeswohl argumentiert wird. Das Ergebnis der im Umfeld von Pflegekinder handelnden Personen, was Kindeswohl ist, fällt jedoch deutlich unterschiedlich aus.

Kindertherapeut: Das Wohl eines Kindes ist vor allem an geordneten klaren Strukturen in liebevoller Umgebung.

Richter: Kinder haben das Recht auf ihre biologischen Eltern und somit entspricht die Zusammenführung von Familien immer dem Kindeswohl.

Pflegeeltern: Eine Beobachtung der. Kinder lässt das Wohl des Kindes gut erkennen.

Jugendamt: Eine durchgehende staatliche Förderung ist, auch wenn es die vielleicht beste Situation für die Kinder wäre, nicht finanzierbar, wenn das Kind zu seinen Eltern zurück könnte.

Therapeuten der Eltern: Eine Zurückführung zu den Eltern stabilisiert diese und dient damit dem Kindeswohl.

Dies verdeutlicht sehr schön, in welche Konflikte Pflegeeltern geraten können:
Pflegeeltern haben nur wenig Rechte, es geht soweit, dass ihnen Informationen vorenthalten werden. Die persönlichen sicherlich wichtigen Einschätzungen zu der Situation der Kinder spielen vor Gericht und vielen anderen Institutionen keine Rolle. Auch wenn es für die eigenen Beziehungen zu den Kinder schwierig ist, die Anordungen und Entscheidungen der anderen Institutionen ist unbedingt Folge zu leisten.

Aber, aus eigener Erfahrung: So schnell wie möglich mit Profis umgeben. Die Einschätzung eines Arztes, Therapeuten, … ist nicht so schnell bei Seite zu wischen, wie die „Meinung“ von Pflegeeltern. Das Gespräch suchen, auch wenn es durch eine Beschwerde erzwungen wird. Und auch auf den Gang zu Gericht nicht verzichten.

Es ist mehr als schwierig, allein in weiten Teilen des Jugenamtes ist man der Meinung, dass die Eltern ja bezahlt werden und daher mal nicht so tun sollten.

Jede Unterbringung in einem Heim ist weitaus teurer und Pflegeeltern kosten ein Bruchteil. Für viele Kinder wäre eine Heimunterbringung mit Sicherheit nicht die richtige.

Und ich glaube, dass wie immer die Langzeitkosten nicht berücksichtigt werden.

Auch wenn es sehr oberflächlich argumentiert ist: Ich bin mir sicher, jedes meiner Kinder wäre, wenn es in seiner Umgebung geblieben wäre, in seinem späteren Leben nicht überlebensfähig. Ich glaube ihre Chancen, eine Berufsausbildung zu machen und später ein selbstständiges Leben zu führen sind weitaus größer dadurch, dass sie bei uns leben. Und die Folgekosten allein durch diesen Umstand sind enorm.

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Ein Gedanke zu “DLF: Ist Blut dicker als Wasser?

  1. Ja, das sehe ich genauso. Wobei eins unserer Pflegekinder vielleicht gar nicht überlebt hätte, wenn nicht die Mutter damals das JA eingeschaltet hätte. Er war schon kurz vorm Verhungern und kann jetzt, nach 13 Jahren, immer noch nicht ausreichend essen, so dass er immer sehr dünn geblieben ist.
    Die sogenannten Fachkräfte, die keine Ahnung von Bindung und Trauma haben, habe ich leider nicht nur beim neuen JA (nach unserem Umzug) sondern auch ganz massiv bei allen Typen von Förderschullehrern festgestellt.
    Und auch das Sparen auf Teufel komm raus, nur um damit die Probleme und die Kosten in die Zukunft zu verschieben, ist so typisch für dieses Land.

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