Gefühle

Der Gefühlshaushalt unserer Kinder war anfangs immer ziemlich durcheinander. Na klar gab es Freude, Trauer und Wut, aber was machen diese Gefühle mit mir? Der eine kann seine Wut nicht unter Kontrolle bringen, ja nicht einmal äussern, die andere weiß nicht, wie mit ihrer Unsicherheit umgehen. Große – zu große Freude ist ebenfalls ein Problem.

Diese Prozesse zu beobachten ist ungemein spannend. Auch wenn die Änderungen so klein sind, dass man sehr große Abstände braucht, um sie zu bemerken. Meist sind es eher Aha-Erlebnisse, die die Änderung zeigen, der Wutausbruch, der sich ohne Hilfe im eigenen Zimmer austobt, oder das Kind, das seine Trauer zum ersten mal deutlich zeigt.

Und es gehört sovieles dazu, diesen Weg zu gehen.
Ich muss schon viel Sicherheit in meiner Umgebung haben, um ihr meine Wut zu zeigen.

Ich muss mit diesem Wirrwarr in mir ersteinmal klarkommen.

Ich muss meine Gefühle sortieren.

Ich muss lernen meine Gefühle von denen meiner Umgebung zu unterscheiden.

Und dann muss ich üben, üben, üben. Und bei den nicht so positiven Gefühlen kann das sehr anstrengend für meine Umgebung sein. Ein Mädchen, dass alle Nase lang wütend ist, eine Herausforderung für alle.

An guten Tagen kann ich es, spiegeln, dass ich die Wut wahrgenommen habe, die Äußerung ernst nehmen, ohne selbst emotional beteiligt zu werden, klarstellen, dass dies an meinen Gefühlen zu ihr nichts ändert.

Und an schlechten muss man sich nur immer wieder daran erinnern, dass es nur so geht.

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Das ist es, warum ich Pflegevater bin!

Gestern kam unsere Jüngste vom Schwimmunterricht. Sie hat es geschafft, das Bronzene Schwimmabzeichen! Stolz! Freude! Sie strahlt mit ihrem ganzen Körper!

Und trifft auf ein Kind, dass wütend ist, da es selbst obwohl zeitgleich begonnen immer noch das Seepferdchen nicht erreicht hat.

Und wenn ich dann sehen kann, dass das wütende Kind sich zurückzieht, sich und die anderen ersteinmal schützt – vor einem halben Jahr hätte dasselbe Kind mindestens etwas durch die Gegend gefeuert oder eine Prügelei angefangen – und dass das stolze Kind in der Lage ist, das wütende Kind zu trösten und seine Hilfe anzubieten, dann weiß ich warum ich Pflegevater bin.

Wer kontrolliert den Kontrolleur?

Die schlimmen Vorfälle in den letzten Jahren haben vieles im Bereich Kinderschutz bewegt. Kinderschutz ist Thema und bewegt auch den Gesetzgeber.

Zum Beispiel hat sich die Rolle von Vormündern drastisch verändert. Waren viele bisher, wenn alles gut läuft, ein oder zweimal im Jähr Vorort, so sind sie jetzt angehalten ständig zu kontrollieren und die Situation im Auge zu behalten.

Mal ganz abgesehen davon, dass ich eine klare Überforderung in dieser Situation sehe, mussten wir noch ganz andere Erfahrungen machen.

Das Recht, die letzte Entscheidungsinstanz zu sein kann nämlich auch die Arbeit mit den Kindern belasten. Genau dann, wenn diese letzte Instanz nicht mitarbeitet, sondern sich über alle Entscheidungen erhebt und der Meinung ist, alle Entscheidungen selbst bestimmen zu müssen.

Dieser Vormund hat aber leider schwere fachliche Defizite und obendrein eine Persönlichkeit, die durch Dominanz geprägt ist.

In den letzten zwei Jahren gab es mindestens fünf Fälle, in denen ein Verhalten des Vormundes oder eine seiner Entscheidungen das Kind aus den Augen verloren hat.

Die Situationen waren so extrem, dass es einiges an Anstrengungen bedurfte, um das Kind zu stabilisieren.

Und wer greift ein? Niemand! Selbst Beschwerden, Gespräche mit Vorgesetzten und anderen beteiligten Mitarbeitern führten zu nichts. Nein, man wird als renitente Eltern abgestempelt, oder darauf hingewiesen, dass die rechtliche Situation nun einmal so sei.

Ich glaube, dass ich kann

Je länger ich die Lernfortschritte meiner Tochter beobachte, um so stärker sehe ich, dass es vor allem der Glaube in die eigenen Fähigkeiten ist, der sie behindert.

Im Prinzip kann sie lesen schon sehr sehr lange, sie glaubt nur nicht daran, also kann sie es nicht. In dem Moment, indem sie selbst von diesen Fähigkeiten überzeugt ist, wird alles gut.

Nur wie überzeugt man jemanden davon, dass er alles richtig verstanden hat? Durch viel viel üben. Ein kleiner Misserfolg und die Überzeugung ist dahin. Und dieser Misserfolg kommt, immer wieder.

So war der schwerste Weg, sie davon zu überzeugen, dass Fehler nicht heißen, dass sie etwas nicht kann. Fehler als Schritt zum Können zu begreifen und immer wieder einzutrichtern, dass das halt so sein muss, dass man auch wenn man etwas begriffen hat trotzdem mal etwas übersehen kann, ein Wort falsch lesen kann, die falschen Zahlen addieren kann ist nicht nur anstrengend, sondern ganz oft übersehen wir Eltern, dass eine Blockade auch durch eine Kleinigkeit ausgelöst werden kann.

Tiere

Ja es gibt Institutionen, die Tiere als Therapiemittel einsetzen.
Aber so weit würde ich bei unseren Tieren – ein Hund und drei Katzen – nicht gehen.
Aber sehr nützlich sind sie schon.

Nonverbale Kommunikation ist sehr wichtig. Und alle Kinder haben über die klare Kommunikation mit den Tieren sehr viel Sicherheit gewonnen.

Und die Erfahrung, einen großen Hund an der Leine führen zu dürfen und es auch hinzubekommen ist durch nichts zu ersetzen.