Nähe

Alle unsere Kinder wünschen sich Nähe und Geborgenheit. In einem Ausmaß, das manchmal schon überfordert. Keine Minute, in der nicht einer der vier auf den Schoß will oder an einem dranhängt. Aber gerade hier ist die Entwicklung der Kinder gut zu beobachten. Es braucht lange, verdammt lange, um diesen Zustand zu erreichen. Meine größte brauchte 1,5 Jahre, um Papa als möglichen Auf-den-Arm-Nehmer zu akzeptieren. Unser jüngster ist jetzt nach fast zwei Jahren noch nicht sicher, wie groß der Idealabstand ist. Kurze intensive Nähephase werden fast genauso schnell wieder beendet.

Ich glaube nur, dass es enorm wichtig ist, dass die Kinder bestimmen dürfen wo die Grenze liegt. Nicht wir Erwachsenen. Man kann sehr gut erkennen, ob ein Kind zum Trost auf dem Arm will, oder ob man lieber in einem Meter Entfernung in der Nähe bleiben sollte. Aber dies ist sehr schwierig in Situationen, in denen ein Kind Angst oder Panik hat, denn die Signale sind natürlich nicht so eindeutig, wie in normalen Situationen. Meine eigene Faustregel dabei ist es, wenn immer möglich. Nähe nur anbieten, nicht einfordern.

Aber auch im Alltag, sind unsere Kinder nicht die Menschen, auf die man zugehen sollte, sondern denen man lediglich ständig signalisieren kann, wenn Du willst, bin ich da.

Auch wenn man dann erlebt, dass das gleiche Kind, dass nicht auf dem Schoß sitzen will die Kindergärtnerin umarmt.

Umarmen hat viel mehr Bedeutungen, als man denkt.

Unsere Kleinste nutzt Nähe zur Kontrolle. Weiß ich nicht, wie Du tickst, rück ich Dir auf die Pelle, dann kannst Du nicht so leicht böse zu mir sein.

Unsere Große reagiert sehr unterschiedlich, mal ist Nähe für sie unerträglich, mal kann Nähe kaum näher sein. Aber vor allem ist sie in der Lage dies verbal zu äußern – bei uns.

Der Weg den wir noch zu gehen haben ist, dass sie in die Lage versetzt wird, dies auch bei Fremden zu sagen. Und ich bin mir nicht sicher, ob die diesen Weg ganz zu Ende gehen wird. Auch wenn ich es mir sehr wünsche.

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