Fähigkeiten

Kinder wissen sehr gut was sie nicht so gut können, viel besser als man ahnt.
Was mich immer wieder fasziniert ist, dass sie zum einen immer wieder daran arbeiten und keinen Frust aufbauen, wenn man sie dabei freundlich unterstützt. Meistens kommt erst dann Frust auf, wenn sie etwas können sollen, das sie überfordert oder was sie gerade nicht bearbeiten wollen.

Ein Beispiel: Eines unserer Kinder ist Latetalkerin. Das erlebte Trauma hat dazu geführt, dass die Sprachentwicklung komplett ausgesetzt hat. Als es zu uns kam war sie eigentlich nicht zu verstehen. OK Mütter schaffen es sehr schnell eine Kommunikation trotzdem zu ermöglichen, aber Außenstehende hatten keine Chance.

Seit zweieinhalb Jahren arbeitet Sie aber jetzt an Ihrer Speachr mit Hilfe einer Logopädin. (Über die Schwierigkeiten eine geeignete Fachfrau zu finden möchte ich jetzt garnicht schreiben,) Und sie übt ohne Unterlass. Dieses Kind singt und erzählt und redet wie ein Wasserfall. Und aufgrund der Feinfühligkeit der Logopädin, darf sie auch mitbestimmen, was sie gerade übt. Da kann dann auch mal eine Lautkombination nicht korrekt bleiben, und ersteinmal ein anderes Thema wichtiger sein.

Aber die eigentliche Verbesserung des Sprechens hat nie aufgehört, auch wenn Lernen immer ein Auf und Ab ist.

Mal ehrlich, wer würde schon so lange immer weiter üben wollen, jeden Tag? Aber sie tut es.

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Heute mal nicht

Heute haben Ch. und ich Mathematik gelernt. Wie jeden Tag. Gestern konnte sie noch alles heute nix mehr. Der Kopf war leer. Wenn man über den Tag Zeit hat, ist das kein Problem, denn man lernt zu fühlen, wann es klappt und wann nicht. Aber im Alltag hat man oft nicht die Chance zu warten, bis es geht. Und hier wird es knifflig.
– nichts machen geht aus mehreren Aspekten nicht. Ch. darf nicht damit durchkommen, nichts zu tun, sonst geht es nie mehr. Regelmäßigkeit ist das absolute Ziel.

– die Hausaufgaben müssen gemacht werden. Natürlich kann man mal keine Hausaufgaben machen, aber ständig?

– Es wird nicht klappen, das steht im Prinzip fest. Oder es wird endlos lange dauern und damit eine „schlechte“ Erfahrung in diesem Bereich erzeugen..

Eine Patentlösung Haben wir auch nicht, dazu ist das Thema zu komplex. Folgende Aspekte helfen:
– Es wird immer gemacht, kein wenn und aber.
– möglichst immer im selben Zeitgefühl. Meint bspw.nach der Schule kurze Pause, dann Hausaufgaben.
– Wenn es anders sein muss, frühzeitig warnen. Ich sage immer bereits auf dem Heimweg bescheid.
– Auch wenn keine Hausaufgaben gemacht werden müssen, machen wir was.
– Unterstützung geben wie gewünscht und von Nöten.
– Niemals Meckern, Schimpfen, …

Wir haben immer noch die anfangs genannten Situationen, aber sie gehen vorbei. Wir kriegen immer was aufs Papier. Und das schöne ist, am nächsten Tag klappt es wieder.
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Defizite

Ein Wort das ich hasse, das aber immer wieder benutzt wird, um die andere Kindliche Entwicklung zu benennen.

Und doch muss man sich gegen dieses Wort wehren, da es etwas impliziert, dass nicht da ist.

Ein Kind, dass irgendwann in seinem Leben beschlossen hat, nicht zu sprechen, da es mit so vielen anderen Dingen beschäftigt war, hat kein Defizit. Es ist im Bereich Sprechen nicht so weit, wie seine Altersgenossen. Die Altersgenossen mussten aber auch nicht um ihr Überleben kämpfen, sich von ihren Eltern verabschieden, dafür sorgen, genug zu Essen zu bekommen, oder, oder, oder.

Ein Kind, dass aufgrund der äußeren Umstände seiner frühen Kindheit nicht gelernt hat zu laufen, wird dieses schnell aufholen können, wenn man ihm den Raum und die Zeit gibt.

Es ist kein Defizit, sich auf das Überleben zu konzentrieren, sondern es formt einen Menschen mit ganz besonderem Fähigkeiten. Diese Fähigkeiten zu nutzen, heißt diesen ganz besonderen Menschen zu respektieren.

Ja, natürlich müssen wir die Bereiche fördern, die da zu kurz gekommen sind. Aber nur noch diese Bereiche zu sehen, heißt das Kind nur zu einem ganz kleinen Teil zu sehen und verstellt den Blick.

Und etwas, dass niemand wirklich hat ist Zeit. Wie, das Kind ist 5 und kann noch nicht Fahrradfahen? Das Kind ist 6 und spricht noch undeutlich. Am liebsten möchte ich brüllen: „Ja, ist uns bewusst, auch wir sind ungeduldig“ Aber es lernt nicht sprechen, wenn es die Mundmotorik noch nicht hat. Fahrrad funktionier erst, wenn laufen, Rollerfahren, … Klappen.

Viele Dinge werden nie so, wie es „normal“ wäre, aber Ungeduld macht es nur noch schlimmer. Viel schlimmer.

Das Ziel ist nicht das „normale“ Kind, sondern ein Mensch, der ein Leben führen kann.

Vertrauen – Teil 2

Der schönste Moment ist für Außenstehende völlig unverständlich.

Es ist jetzt zwei Monate her, da sagte unsere kleinste zu mir: Ich will nicht mehr bei Euch wohnen!

PARTY!!!!!

Sie hat es im Streit geäußert. In einer Situation, in der sie extrem ungerecht behandelt wurde. Ich weiß noch nicht einmal den Zusammenhang. Wahrscheinlich ging es um eine nicht abgezogene Toilette, oder den wiederholten Versuch ohne Unterwäsche in den Kindergarten zu gehen, da ja die Schlüpfer so pieksen. Halt einer von den Fällen, in denen die Meinung der Erwachsenen doof ist und ihre Freiheit einschränkt. Aber das ist auch egal.
Sie hat es getan, sie hat die größte aller möglichen Verletzungen gewagt, und dabei gezeigt, dass sie darauf vertraut, dass wir für sie da sind, egal was passiert.

Soviel Vertrauen muss man ersteinmal haben.

Und vor allem die danach folgende Situation: Vertragen, in den Armen liegen, ich hab Euch doch lieb….

PARTY!!!!!

Das frühere Leben

Das Leben, das unsere Kinder geführt haben, hat einen großen Einfluss auf unsere aktuelle Lebenssituation. Sei es, weil man ganz plötzlich mit Erzählungen konfrontiert wird, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt, oder weil Ängste sichtbar werden, die eine Dimension haben, die vielleicht verständlich, aber nicht mehr nachempfindbar sind.

Aber genauso wichtig ist die kleine Beeinflussung, die unterschwellig immer mitschwingt. Die etwas anderen Wertvorstellungen, die man beobachtet, die Probleme bestimmte Verhaltensweisen der Kinder im Zusammenhang zu sehen, da man den Ursprung nicht kennt. Dinge oder besser Eigenschaften, die auf uns übertragen werden.

Zum Beispiel haben alle unserer Kinder Angst, wenn man sie mal zu spät irgendwo abholt. Dies passiert ganz ganz selten, aber es gibt Situationen, die sich nicht verhindern lassen. Diese Angst vergessen zu werden, obwohl man immer verlässlich ist, ist manchmal schwer zu ertragen.

Und auch nach langer langer Zeit, nach Hunderten von Situationen, in denen man pünktlich war, kann die eine Unpünktlichkeit in den Kindern ein Drama auslösen, dass unverzeilich ist.

Vertrauen Teil 1

Vertrauen ist der zentrale Hebel für unser gesamtes Lebem. Schaffen wir es Vertrauen aufzubauen haben wir unheimlich viel geschafft.

Zugleich ist es für uns das größte Lob unserer Kinder, die alle Schlimmes erlebt haben, dass sie uns vertrauen. Wenn auch nie ganz, aber Hey, ich würde nach ihren Erfahrungen niemandem vertrauen. Aber sie schaffen das.

Ein Beispiel, wie wir an das Vertrauen kommen: Eines unserer Kinder versteckte immer wieder Essen im Zimmer. Wenn es anfängt zu stinken wird selbst das leckerste Brot, der leckerste Apfel ekelig. Aus ihrer Erfahrung heraus sehr sinnvoll. Als Kleinkind hat sie oft wenn sie Hunger hatte nichts bekommen – da wir nicht dabei waren eine reine Vermutung. Wichtig aber ist, dass der einzige Weg dies zu ändern war, ihr beizubringen, dass dies bei uns nicht passiert, aber wie. Wir haben über Wochen und Monate mit ihr Essen in ihrem Zimmer deponiert. Jeden Tag geschaut, ob ihr Überlebensdepot ausreichend gefüllt ist. Ihr gezeigt, dass WIR uns darum kümmern. Selbst, als sie es schon nicht mehr wichtig erachtete weiter gemacht und dann eines Tages haben wir gemeinsam festgestellt, dass sie dieses Depot garnicht braucht, dass sie das Essen garnicht anrührt, da sie genug zu Essen bekommt. Und von da an war alles gut. Zumindest zum größten Teil. Ab und zu kommen diese Ängste wieder und dann beginnt alles von Vorne. Aber je älter sie wird um so seltener.

Trauma

Wenn es eine Gemeinsamkeit aller meiner Kinder ist, dann das sie alle traumatisiert sind.

Aber was heißt das im normalen Leben. Nix und Alles. Nix, da es sich nicht um „andere“ Kinder handelt. Nein, alles gut – alles so wie bei allen anderen Kindern. Alles, da es aber doch immer präsent ist.

Es sind Kinder mit tollen Antennen für andere Kinder mit ähnlichen Erfahrungen. Nehmen sie 100 Kinder von denen 2 traumatisiert sind und geben sie den Kindern etwas Zeit und ich bin sicher schon nach kurzer Zeit spielen genau diese beiden Kinder zusammen.

Es sind Kinder mit ganz besonderer Stärke was die Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse angeht. Ihr Wunsch nach Kontrolle ist maximal.

Aber es sind auch Kinder, die häufig ängstlich in fremden Situationen sind, die schnell verunsichert sind, die – zumindest was negative Erlebnisse angeht das Erinnerungsvermögen weit übertreffen.

Und vor allem sind es Kinder, die schnell überfordert sind, wenn Situationen ängstigen, wenn sie Beziehungen nicht einschätzen können, wenn etwas ungewöhnlich ist.