Experten

Das Thema Erzieher, Lehrer, Doktoren bei der Schuleignungsprüfung ist sicherlich etwas, das auf diesem Blog häufiger vorkommt. Denn es spielt eine grosse Rolle in unserem Leben.

Aber zuerst einmal generell:
Es ist schwer anderen Menschen – und besonders Experten – die Tragweite von frühen Traumatisierungen klarzumachen.

Warum gerade Experten? Keine Ahnung aber Realität. Da kann es ein Erzieher nicht lassen ein Kind anzutatschen, da wird in der Schule erwartet, dass die Kinder sich fallen lassen, ihre Kontrolle abgeben. Ein Doktor meint ein Kind sei tapfer, da es sein Schmerzempfinden kontrollieren kann und ist total entsetzt, wenn man das Kind beharrlich auf die schmerzende Handlung hinweist.

Gemein ist, dass all diesen Experten der Überblick fehlt. Sie sehen nicht die Tragweite die Traumatisierungen haben, da sie das gesamte Leben der Kinder tangieren. Aber sie sind so sehr Experte in ihrem Teilgebiet, dass sie sich von Eltern nichts sagen lassen wollen. Manchmal hilft Berharrlichleit, aber oft nur der Wechsel des Experten.

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Ich muss lernen zu wollen

Eine der schwierigsten Dinge ist es diesen kleinen Wesen den eigenen Willen beizubringen.

Egal wie alt sie bisher waren, sie wussten nicht, was sie wollten und konnten schon garnicht diesen Wunsch mitteilen. Wenn man zum ersten Mal ein Kind mit den Füßen tippelnd vor sich sieht, voller Angst zu äußern, dass es etwas zu Essen wünscht, bekommt man einen Eindruck davon, welche Dramen sich in der Vergangeheit abgespielt haben. Welche Dramen sich gerade in diesem kleinen Wesen abspielen.

Und es dauert, bis sich diese Dramen angenehmer gestalten und doch ist dieser Schritt nach meinem Empfinden einer der wichtigsten.

So vieles verändert sich mit diesem Schritt zum Besseren. Weniger Wut, weniger Angst, weniger Aggressivität einfach ein zufriedeneres Kind.

Und wenn man bedenkt, wieoft ein Kind seinen Wunsch âußern muß, nimmt man gerne auch den Nachteil in Kauf, nämlich das sich Einpendeln in eines normales Maß.

Orientierung

Die Selbstständigkeit und das „Misstrauen“ von Pflegekindern hat auch seine guten Seiten.

Unsere Älteste hat ein Orientierungvermögen, welches nicht zu übertreffen ist und das schon immer. Nach anfänglichem Sich-wundern und vielem Staunen glauben wir, dass es vor allem daran liegt, dass sie sich nie vollständig zurücklehnt und sich auf andere verlässt. Sie nimmt die Wege die wir zurücklegen immer vollständig in sich auf und speichert diese. Wenn wir schonmal am Ende der Welt gewesen wären, sie würde den Weg zurückfinden.

Sie war gerade 4 Jahre alt und unser erster Urlaubstag auf dem Campingplatz hatte begonnen. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zu Fuss in die nahegelegene Stadt (ca. 7 km). Auf der Hälte des Rückweges gab es eine Weggabelung um einen kleinen Löschteich herum, Länge 30m und sie wollte gerne alleine einen der Wege bestreiten. Ohne grossartig zu überlegen, sagten wir zu.

Als wir zur Zusammenführung des Weges kamen, kam kein Kind. Rufen, Zurücklaufen, Aufregung, sich Aufteilen, Panik, Vorwürfe, … aber kein Kind.

Ich möchte jetzt nicht näher auf unsere Gefühlswelt eingehen, aber da wir noch Pflegeeltern sind, ist klar, das Kind ist wieder aufgetaucht.

Nach ca 1 stündiger Suche fanden wir Sie auf einem Klo des Campingplatzes schon reichlich genervt, denn sie wartete schon etwas länger auf die zu diesem Zeitpunkt noch obligatorische Endreinigung durch Mama oder Papa.

Und der restliche Weg, den sie alleine gegangen ist, war nicht mal kurz gerade aus.

Und jedes unserer Kinder hat eine solche Fähigkeit. Eines unserer Kinder kann sich Namen merken wie niemand sonst, dieses Kind kennt nach einer Woche Kindergarten die Namen aller Kinder, Erzieher und weiß die Eltern zuzuordnen. Könnte ja einmal von Bedeutung sein.

Zu beobachten, dass diese „Fähigkeiten“ da sind, sich aber im Laufe der Zeit relativieren ist besonders spannend. Unser Namensfetischist fragt nun plötzlich nach 1,5 Jahren nach dem Namen irgendeiner Person. Welcher Beweis von Vertrauen, dass er auf seinen Anker in der Umwelt verzichtet und ihn mir überlässt – Party!!!!

Fleisch

Essen ist und bleibt das Thema unserer Kinder. Essen heisst versorgt sein, gibt Sicherheit, lieb gehabt werden, …

Und so ist es nicht verwunderlich, wenn für unsere vier lange Zeit nicht Spielsachen der interessanteste Teil der Zeitungsbeilagen war. Aber etwas stutzig wird man schon, wenn das kleine Mädchen lächelt und mit dem süssesten Augenaufschlag auf ein Stück rohes Fleisch zeigt und sagt, das wünsch ich mir.

Gut für die nicht informierte Aussenwelt ist es, dass sich das inzwischen normalisiert hat. Jetzt wünscht sie sich Barbie und Playmobil.

Aber sehr sehr regelmässig heisst es Grillen, denn an diesem kleinen Madchen ist ein Mann verloren gegangen – zumindest was den Hunger nach einem ordentlichen Stück Fleisch angeht.

Gerede und Getratsch

Wenn Menschen beobachten, finden Sie viele tolle Sachen heraus. Nachfragen kann man ja immer noch, oder? Gerüchte machen die Runde und es ist immer spannend diese aus der Distanz zu sehen.

Wir erzählen nicht mehr groß rum, dass wir Pflegekinder haben. Die vier sind unsere Kinder, thats it.
Und dann kommen die Nachbarn und stellen Vermutungen an. Die Kleine sieht aber sehr südländisch aus, dass das vom Vater toleriert wird. Da bringt die Mutter doch aus dem Urlaub einen Bastard mit nach Hause. Die haben sicher eine offene Beziehung. Und Zwillinge die so unterschiedlich aussehen. Süss, mit zu bekommen, auf welche Vermutungen jemand kommen kann, wirklich spannend, die mitleidenden Blicke aufzufangen, wenn man mit sovielen Kindern gestraft ist.

Aber immerhin wurde mir ob meiner Fruchtbarkeit gratuliert.

Und irgendwie macht einen das ja auch stolz.

Kommunikationskompetenz

Wenn meine Kinder etwas können, dann zwischen den Zeilen lesen.
Alles wird analysiert: Der Ton in dem etwas gesagt wird, der Zusammenhang in dem es gesagt wird, das was gesagt wird bis ins kleinste Detail.

Und ja, das ist anstrengend. Wenn ich keine Missverständnisse will, muss ich halt aufpassen.

Ja ich darf schlechte Laune haben, aber ich sollte vorsichtig sein, sie lautstark zu äussern.

Dazu passend ist, dass eins unserer Kinder absolut nicht telefonieren möchte. Alle Versuche führten bisher zu einer absoluten Überforderung. Ich weiss natürlich nicht wieso, ihre Reaktion legt nur nahe, dass ihr die Mimik fehlt, dass sie so sehr auf die nonverbale Kommunikation geeicht ist, dass eine reine verbale Kommunikation sie verunsichert